Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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Die Geschichte der Sammlung

Die historische Sammlung mathematischer Modelle des Fachbereichs Mathematik und Informatik der Martin-Luther-Universität.

Um 1870 begann man in Deutschland auf damals neuartigen Wegen, mathematische Erkenntnisse aus Analysis, Funktionentheorie, Geometrie, Topologie und Mechanik durch "fasbare" Modelle - im eigentlichen Sinne des Wortes - wiederzugeben. Ein groser Teil dieser frühen mathematischen Modelle geht auf die Bemühungen von Felix Klein (1849-1925) und Alexander von Brill (1842-1935) zurück. Beide Mathematiker waren in den 70-er Jahren des 19. Jahrhunderts an der kgl. Technischen Hochschule München tätig. Für die Ausbildung von Technik-Studenten am mathematischen Institut der Hochschule entwickelten sie diese ersten mathematische Modelle zum Anfassen. 

"Ich kenne die Entwicklungsgeschichte, die rechnerischen und technischen Versuche, die vorausgingen, die Schmerzen, die manches der Modelle ihren Verfertiger kosteten, und die Freude an dem schlieslich gelungenen Modell." (A. von Brill über die Arbeit im Seminar zur Erstellung von mathematischen Modellen 1875 in München)


Bald beteiligten sich bekannte Mathematiker wie Ernst Eduard Kummer (1810-1893), Carl Rodenberg (1851-1933), Walther Anton Franz von Dyck u.a. an der Entwicklung derartiger Modelle.

Nach der Fertigung von beweglichen Karton-Modellen für Flächen 2. Ordnung, waren es insbesondere Gipsmodelle, die entstanden. Sie ermöglichten insbesondere, spezielle Punkte, Linien und Flächenmerkmale aus der Sicht der algebraischen Geometrie zu verdeutlichen. Es schlosen sich Draht- und Fadenmodelle an, wobei von der Möglichkeit Gebrauch gemacht wurde, Geradenscharen durch gespannte Fäden in besonders natürlicher Weise nachzubilden. Die so entstandenen, durchscheinenden "Faden-Flächen" gestatten Einblicke in Körper und ihre innere Struktur ohne Sichtverlust. Ergänzend traten mathematisch-mechanische Apparate zur Veranschaulichung physikalischer und technischer Grundprinzipien sowie zur Herstellung und Auswertung von Zeichnungen hinzu.

Noch in den 70-er Jahren des 19. Jahrhunderts begann eine umfangreichere Herstellung mathematischer Modelle sowie deren Verkauf - zunächst durch die Verlagshandlung L. Brill in Darmstadt und ab 1899 durch den Folge-Verlag von Martin Schilling in Halle und später in Leipzig.

"... so hoffen wir, ... gezeigt zu haben, wie sehr ... uns die stete gedeihliche Entwicklung des längst allgemein anerkannten ... Unternehmens am Herzen liegt ... Nach wie vor werden wir der Herausgabe von Modellen der reinen Mathematik, insbesondere der Theorie der Raumcurven und Flächen und der Funktionentheorie  ... unsere vornehmlichste Sorge zuwenden; sodann möchten wir aber auch der angewandten Mathematik, insbesondere der Technik, unsere Aufmerksamkeit widmen." (So schrieb Martin Schilling im Vorwort zu dem von seinem Verlag 1911 herausgegebenen Modell-Katalog.)


Bis in die zweite Hälfte der 20-er Jahre des 20. Jahrhunderts stellte die Firma Schilling mathematische Modelle für die Nutzung an Schulen und Universitäten her.

Die hallesche Sammlung mathematischer Modelle setzt noch vor 1900 ein und erstreckte sich über fast den gesamten Bereich der Schilling-Modelle.

Durch W. Lorey ist belegt, das die Nutzung mathematischer Modelle einen bemerkenswerten Stellenwert im Mathematischen Seminar der Universität Halle hatte:

" ... Auch Halle besitzt ein Mathematisches Institut. ... Die schönen Einrichtungen, die Gutzmer dort geschaffen hat, können uns die folgenden Bilder erläutern. .... Das Mathematische Seminar befindet sich im Erdgeschos  des ... "Melanchthonianums" ... Bis 1906 standen dort der Mathmeatik nur ein übungsraum und ein kleineres Zimmer zur Verfügung, das die Bibliothek und die Modelle enthielt. Im Wintersemester 1911/12 wurden dann die Räume beträchtlich erweitert. ..." (W. Lorey, Das Studium der Mathematik an deutschen Universitäten ...., Leipzig u. Berlin 1916, S. 332/333.)


Auch heute noch ist die Mehrzahl dieser Modelle in gutem, immer noch in Lehrveranstaltungen einsetzbarem Zustand vorhanden. So verfügt der Fachbereich Mathematik und Informatik der Universität Halle über eine umfangreiche, nach wie vor genutzte Sammlung historischer Modelle.